DER EINSATZ VON JOHANNES LEPSIUS ZUM ABWENDEN DES GENOZIDS AN DEN ARMENIERN IN DEN WELTKRIEGSJAHREN

Authors

  • Ashot Hayruni YSU

DOI:

https://doi.org/10.46991/ai.2024.1.27.003

Keywords:

Völkermord, Johannes Lepsius, Berlin, Ismail Enver, Liparit Nasarjanz, Jakob Künzler, Deutsche Orient-Mission, Deutsch-Armenische Gesellschaft, Hermann Christ

Abstract

Mit voller Entschlossenheit und Überanspannung all seiner Kräfte leistete Lepsius dem Genozid an den Armeniern, diesem ersten großen Völkermord des 20. Jahrhunderts, Widerstand. Im Sommer 1915 reiste er nach Konstantinopel, wo er Hintergrundinformationen und Materialien über die Ereignisse sammelte. Bei einem Treffen mit dem osmanisch-türkischen Kriegsminister Enver versuchte Lepsius vergeblich, diesen von seiner Vernichtungsabsicht abzubringen. Als er nach seiner Rückkehr nach Berlin feststellen musste, dass die deutsche Regierung trotz genauer Kenntnis über die türkische Vernichtungspolitik nicht gewillt war, sich ihrem Bündnispartner in den Weg zu stellen, versuchte er, die beiden großen deutschen Kirchen zu mobilisieren, um über sie Druck auf die Regierung auszuüben. Doch auch dieser Ansatz blieb erfolglos. Es gelang ihm letztlich nicht, die hinnehmende deutsche Position zu durchbrechen, im Gegenteil: Am 6. Oktober 1915 verfügte die deutsche Regierung, dass bis zum Kriegsende mediales und öffentliches Schweigen zur Lage der Armenier herrschen solle. Alle, auch die beiden deutschen Kirchen fügten sich dieser Anordnung und den daraus abgeleiteten Zensurbestimmungen der Regierung. Allein Lepsius selbst blieb eine Ausnahme; er überwarf sich deswegen sogar mit der Deutschen Orient-Mission. Auf der Grundlage der ihm zur Verfügung stehenden Dokumente veröffentlichte er seinen vertraulichen „Bericht über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei“, den er sämtlichen deutschen evangelischen Gemeinden, den Reichstagsabgeordneten sowie verschiedenen sonstigen Institutionen und Personen zukommen ließ. Anschließend wich er ins Exil aus, wo er seine karitative Tätigkeit für die Überlebenden der Todesmärsche und Massaker fortsetzte. Nach Kriegsende nach Berlin zurückgekehrt, entfaltete er auch in Deutschland allerlei Aktivitäten zur Verurteilung der türkischen Verbrechen bzw. zum Beistand der überlebenden Armenier. Als Organisator, Publizist, Theologe und christlich geprägter Mitmensch stand Lepsius bis zu seinem relativ frühen Tod den Armeniern zur Seite und setzte sich nach Kräften für deren Rechte ein.

Downloads

Published

2025-01-13

Issue

Section

Articles